Wenn ein Straight Edger in die nächst beste Kneipe geht, all sein Gewissen über Board wirft und ihm mal alle Leute Kreuzweise können!

 

Ohne Titel-13Oft wurde mir gesagt, wenn dir was auf der Seele brennt, schreibe es auf und lasse den Dingen freien Lauf, um dich neu und selbst zu definieren. Am Anfang dachte ich oft, was soll ich denn schreiben, wenn mein Kopf nur ein Wirrwarr ist, der sich anfühlt als wenn gleich alle Sicherungen durchknallen. Ich probierte es immer und immer wieder. Stück für Stück stellte ich fest, dass dort in meinem Kopf kein Wirrwarr war, sondern viele Daten, Ordner, Erlebnisse, Fakten usw., die neu geordnet und verarbeitet werden mussten. Als normaler deutscher Durchschnittsbürger, ob Akademiker oder nicht, würdest du in die nächste Kneipe gehen oder am nächsten Wochenende zu Flasche greifen und das alles runterspülen, ertränken oder hart ausgedrückt, wegsaufen. Schon meine doofe Tante pflegte immer zu sagen…”Dummheit frisst! Intelligenz säuft!” Ich fand diesen Spruch schon immer Scheiße. 1. Weil ich soviel gesoffen habe, dass es für 3 Leben reicht und 2. bin ich der Meinung, wegsaufen ist gleichgesetzt für mich mit weglaufen. Und meine Tante finde ich aus heutiger Sicht doppelt so Bescheuert wie diesen Spruch. Das war für mich einfach keine Option. So fing ich an, mir den Frust von der Seele zu schreiben und mich dabei neu zu definieren, neu zu orientieren und klarer auszurichten. Ich stellte über Jahre immer mehr fest, wie gut es mir Tat und wie viel näher ich so, Stück für Stück, mir selber kam. Es war ein reinster Segen oder anders gesagt, meine Medizin. Somit wurde mein alt Herrengedeck nicht ein Flasche Bier und ein Doppelkorn, sondern ein Stift und ein weißes leeres Blatt Papier. Meine Wortwahl wurde immer ausgefeilter und meine Worte wurden immer mehr zur Waffe und Messerscharf. “Wenn ich für dieses Land in den Krieg ziehen müsste, dann nicht mit der Waffe, sondern mit dem Stift in der Hand.” Nur so mal so als Beispiel und Redewendung dahin gesagt. Einige Leute kamen auf mich zu und meinten zu mir, was für ein Schwachsinn und deine ganzen Rechtschreibfehler gehen ja gar nicht. Aber auch Andere kamen und meinten, du hast echt was zu sagen, höre bitte nicht auf damit. Über die Jahre die ich kein Alkohol mehr trank, wurden immer mehr weiße Blätter mit Tinte gefüllt. Sei es in den Momenten der Freude und des Sieges oder in den Momenten der Trauer und Niederlage. Es half mir richtig gut und mein Weg wurde damit immer mehr besiegelt. Ich lernte, wie man eine friedliche Revolution im Bewusstseins führt und nicht nur mich, sondern auch andere Leute in ihrem tiefsten Inneren erreichen kann….Nur eins habe ich leider bis jetzt dabei noch nicht gefunden oder gelernt!? Den Moment des ewig andauerenden Glückes und des Seelfriedens auf Lebenszeit. Aber vielleicht muss ich einfach noch ein paar weitere Jahre in meiner persönlichen Stammkneipe am Stammtisch sitzen und mit meinem alt Herrengedeck weiter philosophieren, bis der Berg endlich zum Propheten kommt. Der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge und stirbt angeblich zuletzt. Wir sehen uns bald wieder, und wenn nicht im wahren Leben, dann aber spätestens auf dem Papier oder auf dem Desktop, in eine der kuriosen Geschichten des verrückten Lockenkopfes.