LOCKENKOPF CORONA SPECIAL # 5: THE EGYPTIAN GAYLOVERS-INTERVIEW!

In unsere „Musiker-Szene“ beziehungsweise Subkultur, wenn du aktiv unterwegs bist, wirst du immer wieder auf Leute treffen, mit denen stimmt einfach die Chemie. Ab den ersten Satz, den du mit ihnen wechselt, ist es, alles wäre man schon einen Leben lang durch Dick und Dünn zusammen nebeneinander gegangen. Da ist ein flüchtiger Small Talk oft tiefgründiger als alle Gespräche mit deinem Arbeitskollegen in den letzten 10 Jahren zusammen. Deswegen komme viele von uns, meist überhaupt nicht mehr klar mit der normalen Gesellschaft und kappen diese Kontakte bis aufs nötigste. Ich kann es oft gut nachvollziehen. Genauso geht es mir, wenn ich mich mit Basti treffe oder wir telefonieren. Wir ihr selber in dem Interview lesen werdet, sind er und seine Jungs, nicht die, die auf die Kacke hauen, sondern lieber ihre Taten sprechen lassen. Dadurch fällt man leider in der heutigen oft unter dem Radar durch. Lest euch unbedingt dieses kurze Interview durch und hört euch die Mucke von den Egyptian Gaylovers an. Ihr werdet es lieben…und los geht’s:

Basti, mache doch mal einen kurzen Abriss und erzähle unseren Lesern doch mal das wichtigste über eure Band, die The Egyptian Gay Lovers.

Das Wichtigste? We are The Egyptian Gay Lovers and we play Rock’n’Roll! Wir sind gute Freunde, haben ne coole Zeit zusammen und spielen geilen, derben Rock´n´Roll.

Eure Platten kommen ja nur auf einem amerikanischen Label raus. Wie kommt das zustande? Ist den keiner in Deutschland hier an euch interessiert?

Wir haben uns nie bei Labeln oder Bookern beworben oder angebiedert und waren vom Start an 100% DIY. Mit unserem Namen sind wir eh nicht marktkompatibel und damit uninteressant. Bei all den homophoben Hartwürsten ohne Humor waren wir eh außen vor. Ich seh uns da von der Attitude her ganz klar bei SHEER TERRORs Paul Bearer „Always on the wrong side of whatever side there was.”

Da gibt es genug Wichtigtuer, die schlechtere Bands sind, aber mit Label und Agentur und dem ganzen Scheiss… und dann die Clubs und Fans abzocken mit ungerechtfertigten Gagen, schlechten Shows etc. …darauf hatten wir nie Bock.

Wir sind die netten Jungs von Nebenan, die dann ohne Vorwarnung deine Bude abfackeln… hehehe.

Generell machen wir alles selbst. Unsere Platten kamen auf unserem eigenen Label CAZZO DURO Records (ital. „Harter Schwanz“ Rec.) oder waren Split-Sachen mit anderen Underground-Labels.

Carey, den Labelchef von SAVAGE MAGIC Records aus Kalifornien habe ich über Jake Starr von ADAM WEST kennengelernt. ADAM WEST haben ja diverse Split-7“s mit u.a. den HELLACOPTERS, CANDY SNATCHERS, BELLRAYS gemacht – und eben mit uns. Carey ist großer ADAM WEST Fan und fragte Jake dann halt, ob man mit uns gut arbeiten kann. Kann man! Seitdem veröffentlichen wir über SMR und CAZZO DURO Rec. sowohl in Europa als auch US und Carey ist einer meiner besten Freunde; oder besser ein Bruder für mich; geworden.

Definiere doch mal euren musikalischen Stil in 5 Sätzen ohne abzuschweifen.

Es gibt seit unserer Gründung einen Promotext, der auf ewig aktuell sein wird:

Coming from the older school they combine their Hardcore roots with classic Rock´n´Roll-feeling and act in a fast and furious way like old Zeke, Angry Samoans, Zero Boys – in full contact with Motörhead and Slayer. Music as simple and hard as fuck…Music with kick ass-style and a Hardcore-attitude…Testosteron driven Rock´n´Roll straight in your face!

Besonders eure 10inch haute mich ganz schön vom Hocker. Ist die in der aktuellen Besetzung aufgenommen oder war da noch Emil von Minus Hope an den Drums?

Danke. Ja, auch wir sind sehr zufrieden mit der 10“. Ist sehr gut geworden. Emil war zu der Zeit noch an Bord.

Du bist ein Mensch, der einiges an Subkultur und Musik in den letzten drei Jahrzehnten durchlebt habt. Was sind genau deine Wurzeln? Was hast du über die Jahre abgelegt und von welchen Virus konntest du dich in all den Jahren nicht mehr trennen?

Oh man, wo fängt man, wo hört man auf… da hab ich tolle Sachen erlebt. Absolut geile Zeiten! Ursprünglich komme ich vom Metal. Ich habe Anfang der 90er noch die letzten Zeiten des Ost-Metal und Punk miterlebt und dann kam schon die Wende und die Zeit mit Schweden-Metal.

Beim Punk war ich dann aber raus. Zum HC kam ich, als ich die CRO-MAGS mal live mit DISMEMBER gesehen habe. Heutzutage eine nicht vorstellbare Kombination. Damals ging das. Als dann noch die erste (!!) BIOHAZARD kam war ich endgültig im HC gelandet, der dann dank aktiver und guter Szene meine Heimat wurde. Abgelegt habe ich eigentlich nichts – gute Musik ist gute Musik. Ich höre heut genauso gerne ein derbes Metal-Brett wie schmissigen HC. Aber das ist dann so ne Sache, die Lemmy mal schön definiert hat „Musikalisch wirst du zwischen 15 und 21 geprägt und das werden dann deine Lieblingsbands – und die wirst du dann dein Leben lang gegen alles verteidigen.“ So ähnlich hat Gott mal gesprochen und damit alles gesagt.

Ihr seid nicht gerade die Vorzeigeband in Sachen Live Auftritte. Aber zu welchen Orten würdet ihr immer wieder gerne zurück kehren?

Die Frage mit der Vorzeigeband verstehe ich nicht recht 😉 Entweder hatten wir bei euch nicht den besten Abend – was passieren kann. Man spielt nicht jeden Abend Wembley, aber generell reissen wir die Bude schon gut ab. Oder haben wir uns eher asozial benommen, um nicht als Vorzeigeband durchzugehen?! Hahaha.

Bisher haben wir ca. 300 Shows gespielt und habens gar nach Finnland, Holland, Schweiz etc. geschafft – was für eine Band, die alles DIY macht gut ist. Zu unseren Hochzeiten haben wir zwischen Oktober und März mal über 50 Konzerte gespielt. Jedes Wochenende also volle Action! Geile Zeit, aber mit regulärem Job und Familien geht das nicht mehr. Da biste platt. Muss man auch nicht mehr machen. Wir sind in der westlichen Zufriedenheitsgesellschaft angekommen. Leider. Die aktive Clublandschaft und das Publikumsinteresse der 90er/2000er gibt es nicht mehr. Die Leute sind satt, die Clubs schließen – live business kann deprimierend für Club, Veranstalter und Band sein. Da spielen wir lieber weniger und dann aber bei „Freunden“.

Ach so… zurückkehren würd ich überall hin. War eigentlich nie irgendwo voll scheisse, da wir ja immer von uns selbst handverlesene Sachen gespielt haben. Obwohl… ich hätte gern nochmal den Moment, wo 10 besoffene Rock-Typen mit Hangover früh um 5 im verschneiten Finnland bei den Eltern unseres Kumpels klingeln, um dort zu pennen. Ohne das die vorgewarnt waren versteht sich ja wohl. Oder als wir nach durchzechter Nacht auf die leere bayrische Autobahn zur nächsten Show auffahren und auf einmal aus dem Radio „It´s a long way to the top“ plärrt… das waren unglaubliche Momente für Team T.E.G.L.

Ein Lebe ohne Musik wäre wie…..???

Das Ende.

Und zu guter letzt, was würdest du der Subkultur als weiser Mann als Rat mit auf den Weg geben?

Hm… schwere Frage… die Subkulturen, die ich kenne, wurden groß und dann Mainstream… Metal, HC, Skateboarden… so ist das mit Subkulturen… die altern dann auch mit den Protagonisten… neue Subkulturen kenn ich garnicht… was machen die Kids heute? Außer Bluetoothbox und Haare schön fällt mir nichts dazu ein. Es wird immer Outlaws geben und sich daraus eine Subkultur und dann Mainstream entwickeln…

Ich bedanke mich für die Zeit, die du dir für die Fragen genommen hast. Komm gut durch die Zeit. Die letzten Worte sollen deine sein…

DIY OR DIE! Was du es nicht selber machst macht es keiner! 

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