Das alles gab es mal bei uns……in der DDR…….in EISENHÜTTENSTADT!!!

Linda erzählt:

In den 80er Jahren, gab es in unserer Stadt noch keine richtige Szene. Außer zwei Typen die hier rumgesprungen sind, dass muss so die erste Generation gewesen sein. Auf jeden fall fand einmal in der Kirche in Fürstenberg ein Punkkonzert statt, wann genau das war weiß ich allerdings nicht mehr.

1984 habe ich meine ersten Erfahrungen mit Punkrock gemacht in „Neues Leben“ (DDR Jugendzeitschrift) habe ich zum ersten Mal Billy Idol gesehen, da war ich schon echt fasziniert von. Durch diverse Interviews die ich von Idol zu lesen bekam, konnte ich lesen auf welche Mucke er so stand und konnte mich da auch ein wenig orientieren wie z.B. The Clash, Sex Pistols…. .

Ansonsten habe ich halt Bands wie „Skeptiker“, „Sandow“, „Feeling B“ und „Die anderen Bands“ (neben Projekt der Skeptiker) gehört, das alles sind Ostbands. Aber Platten waren natürlich zu der Zeit so gut wie gar nicht zu ergattern also wurde das meiste, in stundenlanger Arbeit aus dem Radio aufgenommen. Es gab den Radiosender „Rias 2“ die Sendung hieß Treffpunkt, die haben immer so aktuelle Mucke gespielt und ab und zu auch Punkrock. Wie schon gesagt Platten waren sehr teuer und ich konnte mir sie erst nach der Wende leisten. Aber ich kam nicht drum herum die „Whiplash smile“ von Billy Idol für 100 Ost-Mark zu kaufen, das war 1986.

1989 habe ich meine erste richtige Punk Platte von Nocki abgekauft, für 10 Ost-Mark hatte ich sie. Sie war ein echtes Schnäppchen. Nocki war auch der jenige, der mich über die Bedeutung des Anarchie  aufklärte.  Er hatte auch Kontakt zu Frankfurter Punks, die im Gegensatz zu Eisenhüttenstadt schon eine Szene hatten. Wir sind dann auch zum ersten Mal zusammen rübergefahren. In Frankfurt, habe ich auch so den ersten größeren Haufen Punx gesehen, so richtig mit Iro usw. . Die Eindrücke auf mich eingenommen und ab ging es in die Disco „Kremel“ das war ne Russendisco. Sie haben u.a. den zu dieser Zeit total Verbotene Song von den Hosen „Disco in Moskau gespielt“. Diese total Verbotene Mucke ist einigen wohl nicht bekommen, auf jeden Fall gab es draußen Stress und die Bullen ließen nicht lange auf sich warten. Draußen haben sich dann die Frankfurter Punks zusammengerottet, denen wir uns schließlich angeschlossen haben. Wir allen wollten den Bullen entgehen, also ging es ab über die Hinterhöfe Frankfurts und ich immer Hinterher, da ich mich ja in Frankfurt nicht auskannte. Das alles wurde schließlich zu einem Katz- und Mausspiel mit dem Tonywagen und unserem Mob, durch sämtliche Hinterhöfe und Gassen Frankfurts. Sogar Anwohner haben uns Tipps gegeben wo wir lang sollen. Der ganze Mob bestand aus ca. 20-30 Mann.

Den Frankfurter Bullen müssen in Eisenhüttenstadt angerufen haben, dort war ein Sondereinsatzkommando der Volkspolizei stationiert, während uns die Bullen in Schach hielten haben sich die Hüttenstädter Bullen auf den weg gemacht. Wir kamen auf eine Straße, die sich als Sackgasse entpuppte. Es ging weder nach links noch nach rechts, zurück konnten wir nicht und vor uns nur ein Tunnel der auf irgendeine Hauptstraße führte. Ein Typ aus unserem Mob, so Billy Idol mäßig drauf und von den Frankfurtern, entfernte sich vom Mob so 20m Richtung Torbogen drehte sich um und  Brüllte nur irgendwie Einsatzkommando ist da. Der Mob zerteilte sich auf einmal. Zwei Leute und ich wollten in einen Hauseingang flüchten, der leider verschlossen war. Dann wanderte mein Blick zum LKW der Bullen wo ich sah, dass sie bereits beim runterspringen sind. Ich habe nach einer anderen Fluchtmöglichkeit Ausschau gehalten und entdeckte ein Tor, was zu einem U-förmigen Hinterhof führte. Ich bin mit den Frankfurten dort hinein geflüchtet. Einer versteckte sich hinter einer Hauswand, der andere und ich jeweils in einem Kellereingang. Die Bullen kamen auf den Hinterhof und haben den hinter der Hauswand gleich entdeckt und ein bisschen Misshandelt (der Typ ging mir sowieso schon den ganzen Abend aufm Sack), auf jeden fall wurde er abgeführt. Der noch verbliebene im anderen Aufgang wollte mit mir weiter flüchten, ich aber unter dem Schock konnte nicht und verblieb erst mal im Kellereingang. Vor diesem besagten Kellereingang stand eine Dichtgewachsene Tanne. Ich habe mich unter dieses gedrungen Gewächs gelegt und mich nicht mehr bewegt. Mein Herzschlag kam mir so laut vor, dass ich dachte, die Bullen würden ihn hören. Ich hörte aus der Ferne, dass einer der Bullen der Meinung war, noch einmal mit einem Polizeihund auf den Hof zu kommen, das war glaube ich das erste mal in meinem Leben wo ich so richtig Angst bekam. In einem Moment dachte ich aus meinem versteck zu kommen und mich den Bullen zu ergeben, dann fiel mir aber ein, dass ich gar kein Ausweis bei habe was die Sache noch viel Komplizierter machen würde. Ich verharrte also im meinem Versteck aus. Sie kamen wirklich zurück diesmal mit nem Hunde der nur anderthalb Meter an mir und meinem Versteck vorbei gelaufen war und den ganzen Hof absuchte. Er fand mich nicht. Entweder war er nicht richtig ausgebildet oder das Harz der Tanne hat meinen Geruch überdeckt. Dann war auf einmal Ruhe ich habe noch eine ganze weile unter der Tanne rumgelegen. Die Bullen schienen abzurücken, ich habe gehört, wie sie mit dem LKW losgefahren sind. ( anm. d. Reg. : Linda sitzt da blubbert an der Shisha rum und hat erst mal husten Anfall hust hust… ) Trotzdem ich mir sicher war traute ich mich noch immer nicht, aus meinem Versteck heraus zu kriechen. Dann plötzlich, ging im Hinterhof die Tür auf und ein Typ mit Taschenlampe leuchtete den Hof ab, der wollte mich entweder nicht sehen oder er war blind. Ich haarte weiter unter der Tanne aus…ich fand irgendwie keinen Mut aus meinem Versteck hervor zu kriechen.  Irgendwann bin ich dann raus und wusste nicht wo ich war, da ich die ganze Zeit immer den anderen Hinterher bin…nun stand ich da und wusste nicht wie ich zum Bahnhof kommen sollte. Ich bin eine weile rumgeirrt es waren ja auch keine Menschen mehr unterwegs. Ich begegnete allerdings einem Typen, der mich leider nicht verstanden hat, da er nur russisch sprach und meine Kenntnisse dieser Sprache, waren zu dieser Tageszeit sowieso ausgeschaltet und hätten wahrscheinlich geradeso gereicht. Unerwartet kam ich zu einer etwas größeren Kreuzung bog rechts ab und  fand mich dann auf einer Straße wieder die mir wenigstens ein wenig vertraut war. Ich fand den Weg zum Bahnhof zurück. Nocki wurde von seinen Eltern in Frankfurt bei den Bullen abgeholt, da er noch nicht 18 war.

Dann kam die Wende………………………………

1990 Franz und ich wollten nach West-Berlin fahren, um Mucke zu kaufen, war ja jetzt kein Hindernis mehr. Oder sollte es doch noch eins geben????

Wir sind irgendwann in der Nacht losgefahren und saßen in einem Dreierabteil. Wir saßen in der Mitte links als der Zug in Briesen einfuhr, wir hörten schon von draußen Gegröle. Die Faschos stiegen in unser Abteil ich war genau in ihrem Blickfeld aber sie erkannten mich nicht gleich als Punker. Sie sangen und grölten ihre Naziparolen. Irgendeiner der dummen Schweine kam dann auf die Idee durch den Zug zu laufen und Ausländer zu klatschen, sie kamen an uns vorbei (der Zug war voll gefüllt und es waren sogar Bullen anwesend). Der letzte aus der Spacko Truppe sah Franz. Er brüllte zu seinen Typen vor „Hey hier sitzen zwei Punkrocker“ sie kamen geschlossen zurück einer setzte sich neben Franz einer sich neben mich und der Rest der Bande stand um uns rum…als ich mich umdrehte hatte ich auch schon eine Faust und sämtliche Stiefel in der Fresse. Franz lag auf einmal unter mir und sie schlugen und traten nur auf uns ein. Von mir haben sie nach einer weile abgelassen, Franz haben sie durchs ganze Abteil geschleift und ihm zu guter letzt noch ein Flasche übern Kopp geschlagen. Als der Zug in Fürstenwalde einfuhr haben sie ganz von uns abgelassen und sind abgehauen. Ich bin erst mal aufs Klo und hab erst mal einen Schock bekommen als ich sah wie demoliert ich war. Im Zug trafen wir zwei Mädels die irgendwie grad von Disko kamen, sie halfen uns indem sie uns bei sich schlafen ließen.

Wir sind ´90 öfter auch noch nach Frankfurt/Oder gefahren, dort gab es eine Hausbesetzer Szene wo am Wochenende immer gut Party war. Das erste Mal wurden wir in Frankfurt aufm Bahnhof von Frankfurten Punx blöde angemacht von wegen wie wir rumlaufen, dass es nicht genug Punk-Rock sei so wie wir durch die Gegend laufen. Ins besagte besetzte Haus sind wir jedenfalls fast jedes Wochenende hingefahren wo wir auch echt viele Leute kennen lernten, Party machten und Bands live sahen. Dort lernte ich auch einen echt komischen Typen kennen, der kam irgendwann mit nem Antifa aufnäher an, den er von irgendjemanden zugesteckt bekommen hat und gab erst mal Nähunterricht. Das kuriose an dieser Geschichte war, dass ich ihn in einem Fernsehbericht mit FAXA Büchsen schmeißend auf der Seite der Faschos sah, als gerade die Grenze zu Polen geöffnet wurde.

Noch eine kleine Episode aus dieser Zeit aus FFO:

In diesem besagten Jahr, gab Kohl auf dem Brunnenplatz in FFO eine Ansprache ans Volk, wir machten uns natürlich mit dem Mob ausm besetzten haus auf dorthin, um diese Veranstaltung zu Stören. Wir kamen leider nicht bis ganz nach Vorn deshalb flogen sämtliche Utensilien wie Eier, Tomaten usw. nach vorne.

Nach der Veranstaltung  ging es dann Ab zurück ins Besetzte Haus was schon von den dagebliebenen zugeriegelt war, weil sich mal wieder ein paar Nazis angemeldet hatten.

Die Jahre ´91-´93:

War dann in Eisenhüttenstadt Schule 12 angesagt, das war ein Jugendclub wo wir Konzerte veranstalteten, abhängen konnten, Proberäume hatten und mit der netten Schulsozialarbeiterin Anne Kanutouren usw. unternahmen. Wir waren so 20- 30 Leute.

´93/´94

Streetkids dann später in Cafe Ole umbenannt. Das Cafe Ole besteht noch bis heute.

Der Kern lichtete sich immer mehr über die Jahre und wurde durch immer jüngeres Publikum ersetzt. Viele der alten Leute gründeten Familie oder sind einfach weggezogen. Da ging noch viel ab Partys, Konzerte, Kanutouren usw.. Das alles war immer gut besucht gewesen. Das hat aber alles gegen ende der ´90er rapide abgenommen. Von Generation zu Generation wurden die Leute immer mehr zu Abziehbildern die immer mehr die alten Parolen rauskramten. Da war nicht mehr viel Innovatives, eigenes von den Leuten. Wie Johnny Rotten ende ´90 sagte, „Der Punkrock wird Uniform“. Nur noch Klischee Bedienen. Aber ich beziehe das ganze gerade nur auf Hüttenstadt!!! Bei den meisten ist es nur eine Teenagerrebellion von den Leuten sieht man spätestens in drei Jahren eh nichts mehr in der Szene.

DSCI0185